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Aus der Geschichte der Ortswehr Kirschau

Es geschah in der Walpurgisnacht 1877. Ein großes Schadenfeuer vernichtete in Kirschau sieben Häuser. Dieses Ereignis veranlaßte die Gemeinde, eine Spritze anzuschaffen und eine Feuerwehr ins Leben zu rufen. Am 16. Juli des gleichen Jahres schlossen sich 22 Männer zu einer Wehr zusammen. Die Uniform bestand aus blauen Blusen, mit dem auf der Brust aufgenähtem Monogramm FK (Feuerwehr Kirschau).
Zum Kommandanten wählten die Kameraden den Schmiedemeister Julius Vetter, zu dessen Stellvertreter den Wirtschaftsbesitzer Karl Ritscher.

1888 war die Wehr auf 11 Kameraden geschrumpft. Um die Truppe wieder schlagkräftig zu machen wurden 11 weitere Bürger von der Gemeinde zum Feuerwehrdienst verpflichtet. Es entstand eine Pflichtfeuerwehr. Am 1. Juli 1911 gründete sich parallel zur bestehenden Pflichtfeuerwehr eine weitere Freiwillige Feuerwehr. Ab August 1911 nutzte die Freiwillige Feuerwehr eine vierrädrige, pferdegezogene Handdruckspritze der Fa. Müller aus Döbeln. Diese wurde mit allen dazugehörigen Geräten zum Preis von 1.700 Mark angeschafft und befand sich bis 1943 im Ort.

Bis 1919 trugen die Kameraden der Freiwilligen Feuerwehr braune Joppen. Diese wurden später durch schwarze abgelöst. Als Kopfschutz wurden Lederhelme mit schwarzer Raupe, beim Kommandanten mit Metallspitze, weißer Sonne mit dem gelben Monogramm FK und mit roten "Ohren" verwendet.

Im Jahre 1919 vereinigten sich beide Wehren aufgrund des durch den Weltkrieg bedingten traurigen Mitgliederstandes. Die nunmehr vereinigte Freiwillige Feuerwehr bestand aus insgesamt 46 Gründungsmitgliedern. Die Männer wählten aus ihren Reihen die Kameraden Alwin Henning zum Kommandanten, Ernst Höntschel zum Stellvertreter und den Kameraden Gustav Marschner zum Zugführer. Bereits am 15. Oktober 1901 bestand bei der Textilfirma Friese eine Löschmannschaft von 12 Mann unter Leitung von Hermann Kühn. Die Fa. Friese beschaffte 1913 für die Betriebsfeuerwehr schon eine Motorspritze mit der beachtlichen Pumpenleistung von 1.600 Liter pro Minute.

In der Zeit vom 17. bis 19. Oktober 1920 wütete ein großes Schadenfeuer bei den vereinigten Spinnereien und Webereien August Pelz und C.W. Paul. Bei diesem Großfeuer kamen insgesamt 25 Feuerwehren mit 29 Spritzen, von der Handdruck- über die Dampf- bis zur Motorspritze zum Einsatz. Unter dem Eindruck dieses Großbrandes gründete auch die Fa. Pelz & Paul eine Betriebsfeuerwehr. Diese war mit einer Dampfspritze, Baujahr 1897, Nennförderstrom 2000 l/min, einer Motorspritze, Nennförderstrom 1400 l/min und mit einer mechanischen Schiebeleiter der Fa. Magirus, Steighöhe 24 Meter, ausgerüstet. Als im März 1921 die Niederlage der Fa. C.O. Engert niederbrannte entschloß man sich auch hier zur Gründung einer Betriebswehr. Im Ort existierten zu diesem Zeitpunkt also neben der Freiwilligen noch 3 betriebliche Feuerwehren.

Das alte Spritzenhaus der Freiwilligen Feuerwehr stand neben dem Gemeindeamt auf dem Grundstück des Bäcker Hantusch an der Mühlstraße. Im Jahre 1921 erbaute die Fa. Karl Mietsch auf der Callenberger Straße am Ufer der Spree ein neues Gerätehaus. Der Bau des Spritzenhauses kostete 122.280,70 Mark, hinzu kamen weitere Kosten für Holz, Stützmauer, Zaun usw. in Höhe von 79.849,02 Mark. Nach einem Erweiterungsbau der Fahrzeughalle, der sich zu Beginn er 80ger Jahre mit der Neubeschaffung des LF 16 erforderlich machte, und nach einer grundhaften Modernisierung zu Beginn der 90ger Jahre in deren Zuge der Einbau eines hervorragenden Duschraumes für die Kameraden realisiert wurde, wird das 1921 erbaute Gerätehaus auch noch in seinem 79. Jahr genutzt. Am 13. und 14. Juni 1926 fand in Kirschau der 48. Verbandstag des Oberlausitzer Gebirgsgau-Verbandes freiwilliger Feuerwehren (jetzige Kreisfeuerwehrverband) statt. Diese Veranstaltung bildete ein denkwürdiges Ereignis für den Ort Kirschau. Es waren ca. 2000 Feuerwehrleute zugegen, etwa 5000 Besucher erlebten die Festtage, die fast ins Wasser gefallen wären, denn genau einen Tag nach dem Ereignis richtete ein starkes Hochwasser in Kirschau großen Schaden an. Die Kameraden der Freiwilligen Feuerwehr Kirschau bekamen im Jahre 1927 eine kleine Motorspritze Typ "Siegerin" mit der Nennförderleistung von 400 l/min. Vom Gemeinderat wurde 1942 die Zustimmung zur Anschaffung eines "Leichtlöschzuges" (Löschfahrzeug) von der Fa. Flader erteilt. Der Preis sollte sich auf 15.000 Mark belaufen. Die Anschaffung wurde jedoch nicht getätigt, da die Lieferfirma mit der Begründung "nicht lieferbar" absagte. Die Kameraden der Feuerwehr Kirschau waren bei Einsätzen oft auf fremde Zughilfe für ihre Technik angewiesen, falls die Spritze nicht selbst zur Einsatzstelle geschoben werden konnte. Um ein Zugmittel zu beschaffen wurde eine Sammlung im Ort veranstaltet. Die Spenden beliefen sich auf Beträge zwischen 50 Pfennig und 5 Mark. Aus dem Sammlungserlös wurde 1956 ein Chevrolet im Werte von 1.598 Mark beschafft. Durch die unermüdliche Arbeit der Kameraden, insbesondere der Kameraden H. Hultsch und H. Hölzel wurde dieses Fahrzeug zum Feuerwehrauto umgebaut. Nach einem Motorschaden mußten Motor- und Rahmenwechsel durchgeführt werden. 1965 wurde dieses Fahrzeug durch einen K 30 (LKW-TS 8-STA) abgelöst, welcher bis zur Beschaffung eines LO LF 8-STA im Jahre 1968 in Dienst war. Zu dieser Zeit mußten die Bogenförmigen Tore des Gerätehauses durch gerade Tore ersetzt werden. Im März 1982 erhielt die FFw Kirschau als damalige Stützpunktfeuerwehr zusätzlich einen bereits 10 Jahre bei der Berufsfeuerwehr Hoyerswerda in Dienst befindlichen LF 16 -W 50, der bis zur Indienststellung eines neuen Schlingmann LF 16/12 mit Sonderbeladung auf Mercedes Fahregstell, im Mai 1998, seinen Dienst verrichtete. 1993 wurde der LO LF8 - STA durch ein KLF Barkas B 1000 ersetzt. Für 2000 steht die Indienststellung eines Erkundungskraftwagens im Chemie- und Strahlenschutz bevor.

1940 herrschte auch in Kirschau aufgrund des Krieges ein akuter Mangel an Feuerwehrleuten. Man entschloß sich in dieser Zeit zur Gründung der ersten Jugendgruppe der Kirschauer Feuerwehr. Die Jugendfeuerwehr, als Nachwuchsschule der Kirschauer Wehr begeht im Jahre 2000 ihr 60 jähriges Bestehen. 1934 wurde die Ortschaft Kleinpostwitz nach Kirschau eingemeindet. Die 1902 gegründete Pflichtfeuerwehr Kleinpostwitz wurde mit ihrer Handdruckspritze der Fa. Flader Jöhstädt dem Kirschauer Kommando unterstellt, blieb jedoch als eigenständiger Zug, später als Kommandostelle erhalten. Mit Beginn des Jahres 2000 wurden Ausbildung und Löschtechnik in Kirschau zusammengefasst. Bis zur Umwandlung des Kleinpostwitzer Pflicht-Löschzuges in einen freiwilligen Löschzug im Jahre 1950 bestand die Uniform der Kleinpostwitzer Kameraden lediglich aus einer Armbinde mit der Aufschrift "Kl-Postwitz" da sich der Kleine Ort keine eigenen Uniformen leisten konnte. Später wurde der Kleinpostwitzer Zug mit gebrauchten Uniformstücken verschiedenster Varianten ausgerüstet. Im Dezember 1950 erhielt der Löschzug Kleinpostwitz eine Motorspritze TS 3. 1966 wurde diese durch eine gebrauchte TS 6 abgelöst. Im Jahre 1972 wurde bei der Komandostelle Kleinpostwitz ein neuer TSA mit TS 8 in Dienst gestellt. Unterstützung fanden die Kameraden der ehemaligen Komandostelle Kl. Postwitz stets bei ihren Frauen, welche sich 1966 zu einer Löschgruppe zusammenschlossen und aktiv mit den männlichen Kameraden zusammenarbeiteten.

Unser Dank gilt unseren zu früh verstorbenen Kameraden Kurt Kasper, der maßgeblich zur Aufarbeitung der geschichtlichen Fakten beigetragen hat.

© letzte Änderung 01-01-02